G-Dur auf der Gitarre: Zwei Terzen oder zwei Quinten?

Guitar Campus · Akkorde verstehen

G-Dur auf der Gitarre:
Zwei Terzen oder zwei Quinten?

Zwei unterschiedliche Griffe, derselbe Akkord. Warum klingt G-Dur nicht immer gleich, obwohl wir dieselben drei Akkordtöne verwenden?

Der G-Dur-Akkord gehört zu den bekanntesten Gitarrenakkorden überhaupt. Fast jeder Gitarrist lernt ihn ziemlich früh.

Interessant wird es allerdings, wenn wir uns einmal genauer anschauen, welche Töne bei diesem Akkord eigentlich gespielt werden.

Denn es gibt zwei sehr verbreitete G-Dur-Griffvarianten, die sich nur durch einen einzigen Ton unterscheiden. Trotzdem besitzen sie eine etwas andere Klangcharakteristik.

Schauen wir uns an, was dahintersteckt.

1. Aus welchen Tönen besteht G-Dur?

Ein Dur-Akkord besteht aus drei unterschiedlichen Tönen. Diese werden als Grundton, große Terz und reine Quinte bezeichnet.

Beim G-Dur-Akkord sind das:

G Grundton
B Große Terz
D Reine Quinte

Vom Grundton G zur großen Terz B liegen vier Halbtonschritte. Von G zur Quinte D sind es sieben Halbtonschritte.

Der G-Dur-Dreiklang lässt sich auch durch zwei übereinandergeschichtete Terzen bilden: G–B ist eine große Terz und B–D eine kleine Terz.

Wichtig: Die beiden Terzintervalle, aus denen der Dreiklang aufgebaut ist, sind nicht dasselbe wie zwei mehrfach vorkommende Terztöne innerhalb eines Gitarrengriffs. Wir unterscheiden hier zwischen Akkordaufbau und Tonverdopplung.

2. Warum spielen wir auf sechs Saiten mehr als drei Töne?

Ein G-Dur-Akkord benötigt lediglich die drei unterschiedlichen Töne G, B und D.

Eine Gitarre besitzt allerdings sechs Saiten. Wenn wir alle sechs Saiten anschlagen, hören wir sechs gleichzeitig gespielte Töne.

Das bedeutet nicht, dass wir plötzlich einen Akkord aus sechs unterschiedlichen Tönen haben. Einige Akkordtöne kommen einfach mehrfach vor, teilweise in unterschiedlichen Oktaven.

Genau das passiert bei unseren beiden G-Dur-Varianten.

3. Die beiden G-Dur-Griffe im direkten Vergleich

G-Dur · Variante A

3 2 0 0 0 3
Zwei Terztöne
E A D G B e 1 2 3 4
G · B · D · G · B · G
Grundton G: 3-mal
Terz B: 2-mal
Quinte D: 1-mal

G-Dur · Variante B

3 2 0 0 3 3
Zwei Quinttöne
E A D G B e 1 2 3 4
G · B · D · G · D · G
Grundton G: 3-mal
Terz B: 1-mal
Quinte D: 2-mal

Griffbilder aus Spielersicht als Saitenübersicht: von der tiefen E-Saite links bis zur hohen e-Saite rechts. Orange Punkte = gegriffene Saite, offene Kreise = leer angeschlagene Saite. Die Zahlen 320003 und 320033 geben die Bünde an.

4. Was passiert bei Variante A?

Bei der ersten Variante greifen wir die tiefe E-Saite im dritten Bund, die A-Saite im zweiten Bund und die hohe e-Saite ebenfalls im dritten Bund.

Die D-, G- und B-Saite bleiben offen.

Dadurch ergeben sich von der tiefsten zur höchsten Saite folgende Töne:

G – B – D – G – B – G

Wir hören also dreimal den Grundton G, zweimal die große Terz B und einmal die Quinte D.

Die große Terz ist für den Dur-Charakter eines Akkords besonders wichtig. Sie unterscheidet den Dur-Dreiklang von seinem Moll-Gegenstück.

Da die Terz hier auf zwei Saiten vorkommt, ist sie innerhalb dieser Akkordverteilung stärker vertreten.

Besonders die offene B-Saite sorgt dafür, dass diese Variante eine eigene Klangfarbe erhält.

5. Und was passiert bei Variante B?

Bei der zweiten Variante ändert sich nur eine einzige Saite: Die B-Saite wird nicht mehr offen gespielt, sondern im dritten Bund gegriffen.

Damit verändert sich der Ton auf dieser Saite von B zu D.

Die übrigen fünf Töne bleiben gleich.

G – B – D – G – D – G

Jetzt spielen wir den Grundton G weiterhin dreimal, die große Terz B aber nur noch einmal. Dafür hören wir die Quinte D zweimal.

Der Dur-Charakter bleibt erhalten, denn die große Terz B ist nach wie vor vorhanden.

Allerdings nimmt sie innerhalb des Gesamtklangs weniger Raum ein. Die Quinte bekommt dafür eine stärkere Gewichtung.

6. Der Unterschied auf einen Blick

Eigenschaft 320003 320033
Grundton G 3-mal 3-mal
Große Terz B 2-mal 1-mal
Reine Quinte D 1-mal 2-mal
B-Saite Offen: B 3. Bund: D
Akkord G-Dur G-Dur
Tonverteilung Terz verdoppelt Quinte verdoppelt

7. Warum klingt das unterschiedlich?

Obwohl beide Varianten aus denselben drei unterschiedlichen Akkordtönen aufgebaut sind, verändert sich die Klangfarbe.

Das liegt unter anderem an der unterschiedlichen Gewichtung von Terz und Quinte.

Die Variante 320003 kann etwas heller und offener wirken, weil die große Terz zweimal vorkommt.

Bei 320033 dagegen wird eine der Terzen durch eine zusätzliche Quinte ersetzt.

Diese Variante wird von vielen Gitarristen als voller oder runder empfunden. Auch ich bevorzuge häufig diesen Griff, weil mir seine Klangfarbe besonders gut gefällt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die zweite Variante grundsätzlich besser klingt.

Der Eindruck hängt unter anderem von der Gitarre, der Anschlagtechnik, dem verwendeten Sound und dem musikalischen Zusammenhang ab.

8. Welcher G-Dur-Griff ist der richtige?

Die Antwort ist ganz einfach: Beide sind richtig.

Denn für die Bezeichnung G-Dur ist entscheidend, dass wir die Akkordtöne G, B und D hören.

Wie häufig die einzelnen Töne vorkommen, kann sich unterscheiden. Solange diese Tonverdopplungen keinen neuen Akkordton hinzufügen, bleibt die harmonische Grundstruktur erhalten.

Welchen Griff wir verwenden, entscheidet letztlich die Musik.

Vielleicht passt die offenere Klangfarbe der ersten Variante besser zu einem bestimmten Song. Vielleicht gefällt uns aber die kräftigere Verteilung der zweiten Variante besser.

Hier gibt es keine allgemeingültige Rangliste. Entscheidend ist, wie der Akkord im musikalischen Zusammenhang klingt.

9. Probiere den Unterschied selbst aus

Am besten lässt sich die Sache direkt an der Gitarre nachvollziehen.

Greife zuerst den G-Dur-Akkord mit der Bundfolge 320003. Schlage alle sechs Saiten an und höre auf den Gesamtklang.

Anschließend wechselst du zur Variante 320033. Du musst dafür nur die B-Saite zusätzlich im dritten Bund greifen.

Achte darauf, beide Akkorde möglichst gleichmäßig und mit vergleichbarer Anschlagstärke zu spielen.

Spiele die beiden Varianten ruhig mehrmals hintereinander. Du kannst auch einen Akkord länger ausklingen lassen und anschließend vergleichen, wie sich der andere Griff anhört.

Übungstipp: Spiele zunächst nur die B-Saite einzeln: einmal offen und einmal im dritten Bund. Du hörst dann ganz unmittelbar die Änderung von B nach D. Danach spielst du beide vollständigen Akkorde.

Du wirst feststellen, dass es sich zwar weiterhin eindeutig um G-Dur handelt, die Klangfarbe aber nicht vollständig identisch ist.

10. Was können wir daraus lernen?

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, warum es sinnvoll ist, Akkorde nicht nur als fertige Griffbilder auswendig zu lernen.

Wer versteht, welche Töne unter seinen Fingern liegen, kann musikalische Entscheidungen viel bewusster treffen.

Denn das Prinzip gilt natürlich nicht nur für G-Dur. Auch bei anderen Dur- und Moll-Akkorden können wir durch unterschiedliche Tonverdopplungen und Griffvarianten Einfluss auf den Gesamtklang nehmen.

Dabei geht es nicht darum, dass jede Variante besser oder schlechter wäre. Es geht darum, die klanglichen Möglichkeiten unseres Instruments zu verstehen und bewusst einzusetzen.

Fazit: Zwei Griffe, ein G-Dur-Akkord

Beide Griffvarianten enthalten die drei Akkordtöne G, B und D.

Bei 320003 kommt die große Terz B zweimal vor. Bei 320033 wird stattdessen die Quinte D zweimal gespielt.

Der Akkord bleibt G-Dur. Was sich ändert, ist die Verteilung der einzelnen Töne und damit ein Teil seiner Klangfarbe.

Entscheide deshalb nicht nur nach dem Griffbild, sondern vor allem nach dem Klang. Denn am Ende zählt, was musikalisch funktioniert.

Weitere Gitarrentipps, Übungen und verständlichen Unterricht findest du bei Guitar Campus .

TEILEN